Druckschrift 
Hoch im Norden : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

95

bei zu ſchaffen, und Robbenfleiſch war das Einzige, was man den hungrigen Thieren vorwerfen konnte. Der Winter ſchlich langſam dahin. Am 21. Jan. ſah man endlich um die Mittagsſtunde die erſten Spu⸗ ren des wiederkehrenden Lichtes. Es war nur eine ſchwache, orangen⸗gelbliche Färbung des ſüdlichen Hori⸗ zontes, aber jedes Herz an Bord begrüßte das hoff⸗ nungsfrohe Zeichen mit freudig klopfendem Herzen, denn die lange Nacht war auf die Stimmung der Leute nicht ohne nachtheiligen Einfluß geblieben. Sie ſchli⸗ chen traurig, mißmuthig und in gedrückter Stimmung

umher, und, obgleich jede nur erdenkbare Vorſichts⸗

maßregel ergriffen wurde, zeigten ſich doch bei Einzel⸗ nen aus der Mannſchaft Spuren von Skorbut, welche nur mit Mühe beſeitigt werden konnten.

Robert bewahrte unter dieſen Verhäͤltniſſen eine große Feſtigkeit, und zeigte ſtets eine heitere Laune, um die Leute aufzumuntern, und auch ihnen frohen Muth einzuflößen. Er veranlaßte, daß kleine Schau⸗ ſpiele, lebende Bilder und andere Luſtbarkeiten von Zeit zu Zeit an Bord veranſtaltet wurden, und war immer der Erſte und Munterſte dabei. Kapitän Becker ver⸗ hehlte ihm ſeine Bewunderung nicht, aber Robert ſchüttelte bei dem Lobe nur lächelnd den Kopf.

»Was iſt da zu rühmen, Kapitän?« gab er zur Antwort.Mein Vater iſt es, um den wir Alle dulden und leiden, muß ich da nicht den Uebrigen mit gutem Beiſpiele vorangehen. Und wenn Alle zag⸗ ten, ich dürfte es nicht thun.«

Der 12. Februar war der kälteſte. Tag, welchen man bis dahin erlebt hatte, denn das Thermometer ſtand 75 Grad unter Null, eine Kälte, bei welcher der