144
danken nachhängen konnte. Beinahe gereute es ihn, Rollet verrathen zu haben; aber nach genauer und reiflicher Erwägung aller Umſtände mußte er ſich endlich doch ſagen, daß er durchaus nicht anders verfahren konnte, wenn ihm einmal daran gelegen war, daß ſein junger Freund Captal glücklich werden ſolle.
Der Abend dämmerte ſchon, als Captal nach Hauſe zurückkehrte. Er war ſehr aufgeregt, und ſein Auge glänzte lebhafter, ſeine Wangen glüheten höher, als gewöhnlich, als er zu Pierre in die Kam⸗ mer trat. Der junge Zigeuner ergriff ſeine Hand, und zog ihn mit ſanfter Gewalt neben ſich auf das Strohlager nieder.
»Warum biſt du ſo unruhig, Captal?« fragte er.„Deine Hände brennen, wie im Fieber! Du wirſt doch nicht krank ſein?« »Nein, Pierre,“ lautete die Antwort,„aber du kannſt dir denken, daß ich nicht gleichmüthig bleiben kann, nun die Entſcheidung meines Schickſals ſo nahe bevorſteht. Wird Rollet die Wahrheit ent⸗ hüllen, oder nicht? Das iſt die Frage, die mir alles Blut aufregt und mir keinen Augenblick aus den Gedanken kommt. Verſetze dich nur in meine Lage, und du wirſt es natürlich finden, daß ich nicht


