ſich weit und breit keine Menſchenwohnung weiter, und das nächſte Alpendorf, welches man nur vermittelſt eines ſchmalen, rauhen Saumpfades erreichen konnte, lag volle drei Stunden von dem Matter⸗Thale entfernt.
So lebten die Bewohner des Thales faſt abgeſchie⸗ den von aller übrigen Welt, gleichwohl aber zufrieden in ſtiller häuslicher Genügſamkeit. Sie kannten weder Ueberfluß noch Mangel. Ihre vorzüglichſte Nahrungs⸗ Quelle bildeten die Ziegen⸗Heerden. Die Ziegenkaͤſe aus dem Matterthal waren berühmt weit und breit wegen ihres feinen Wohlgeſchmacks, und wurden ſtets gern gekauft und theuer bezahlt. Der Erlös reichte hin, die beſcheidenen Bedürfniſſe der Thalbewohner zu decken.
Uly Redinger befand ſich in der gleichen Lage und ein denſelben Verhältniſſen, wie ſeine Nachbarn, wußte
ſie aber zeitweilig noch zu verbeſſern, indem er Reiſen⸗
den, welche das beſchwerliche Matterjoch, den höchſten Alpen⸗Uebergang aus der Schweiz nach Italien, über⸗ ſteigen wollten, zum Führer diente, oder indem er, mit dem fernhin ſicher treffenden Stutzen bewaffnet, die mächtigen Gletſcher des Monte Roſa erſtieg, um Jagd auf Gemſen und Steinböcke zu machen. Er war ein kühner, feſter und zuverläſſiger Mann, dieſer Uly Re⸗
dinger, deſſen biederes und offenes Benehmen den Rei⸗
ſenden unbedingtes Vertrauen einflößte, während ſeine Gewandtheit und Unerſchrockenheit im Erklimmen der Felſen und im Ueberſchreiten der Gletſcher, ſowie ſeine tödtliche Sicherheit im Handhaben des Stutzen ihn zum Schrecken des flüchtigen Wildes machte. Selten wan⸗ derte er mit Fremden über das Matterjoch nach Val Tourmanches, ohne freigebig belohnt zurückzukehren; ſelten


