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Nur immer brav : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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geſchlagen und ihn auf den Hof des Meiſter Linde⸗ mann geworfen. Das Geſtändniß war vollſtändig und bereits zu Protokoll genommen worden, als Meiſter Lindemann erſchien und mit Freuden vernahm, daß er unverzüglich ſein Eigenthum zurückerhalten könne. Ab⸗ geſehen vom Garten war auch noch alles Uebrige faſt Alles noch beiſammen, und nur wenige Thaler fehlten an dem Gelde, welches Meiſter Lindemann ſo mühſam zuſammengeſpart hatte, weil der Dieb, um nicht. Ver⸗ dacht auf ſich zu lenken, vorſichtig genug geweſen war, keine ungewöhnlichen Ausgaben zu machen. So kam Vater Lindemann wieder in den unverkürzten Beſitz ſeiner Habe, und dankte Gott von ganzem Herzen, daß er die verborgene Miſſethat an das Licht gebracht hatte. Den überführten Dieb betrachtete er nicht ohne Mitleid.

»Oh, Nachbar Peterling, ſagte er,nun ſeht Ihr, wohin es mit Euch gekommen iſt, weil Ihr nicht auf dem geraden Pfade der Rechtſchaffenheit gehen woll⸗ tet und mich verſpottetet meines Sprichwortes wegen. Wäret Ihr nur immer brav geweſen, ſo hätte Euch dieſe Schande nimmermehr treffen können!

Peterling gab keine Antwort, ſondern wendete ſich beſchämt und verlegen von dem redlichen Manne ab, den er ſo vielfach gekränkt, beleidigt, verhöhnt und ver⸗ folgt hatte. Was hätte er auch antworten können oder ſollen? Der Augenſchein lehrte ja auf das Deutlichſte und Schlagendſte, daß Vater Lindemann mit ſeinem Sprichworte recht behielt. Jetzt erkannte es Peterling wohl, aber Erkenntniß und Reue kamen zu ſpät. Er wurde in das Gefängniß abgeführt, und eine mehr⸗ jährige Zuchthausſtrafe war der Lohn ſeiner Thaten. Auch der Schreiber Greulich mußte für ſeine Ver⸗