88
»„Ich ſchlafe gut genug,“ ſagte er.„Ein alter Sol⸗ dat, der, wie ich, ſo manche Nacht im Freien unter dem blauen Himmel zugebracht hat, darf ſich nicht ver⸗ zärteln.“ Er lud mich zum Sitzen ein, langte aus einem Wandſchranke ein paar zinnerne Teller, Meſſer und Gabeln, Brod, etwas Butter und kalten Braten, und forderte mich lächelnd auf, zuzugreifen. Der Spazier⸗ gang hatte mich hungrig gemacht, ich aß mit gutem Appetite, und es ſchmeckte mir köſtlich. Wir verplau⸗ derten in gemüthlichſter Weiſe noch ein Stündchen, und ich nahm endlich mit der Ueberzeugung von meinem braven Oberſt Abſchied, daß er bald genug ſeinen Weg machen, und ein ſicheres Glück durch dieſes Grundſtück finden werde, das bis dahin kein Menſch groß geachtet hatte. Der Erfolg lehrte, daß dieſe Vorausſetzung, welche ſich auf die Einſicht und raſtloſe Thätigkeit des Oberſten gründete, vollkommen berechtigt war. Im Laufe des Sommers ſah ich den Oberſt nicht
wieder, dagegen kam er im Herbſte pünktlich an dem Tage zu mir, wo er im vorigen Jahre das Kapital empfangen hatte, brachte die fälligen Jahreszinſen, ſteckte die Quittung darüber ein, und begab ſich ohne Auf⸗ enthalt wieder in ſeine Wildniß. Seitdem verging wie⸗ der ein Jahr, und ich hörte nur, daß er, wie früher, unermüdlich an der Verbeſſerung des Gutes arbeitete. Außer den Sägewerken hatte er auch noch eine Mahl⸗ mühle, eine Oehlmühle angelegt, und einen ordentlichen Kanal bis zu der Mündung des ſchon erwähnten Fluſ⸗ ſes bauen laſſe, ſo daß er jederzeit, außer im Winter, wenn Alles gefroren war, die Erzeugniſſe ſeines Gutes ohne große Koſten zu Markte bringen konnte. Ich


