„Aber warum? Weshalb? Ich habe nichts Böſes gethan! Wahrhaftig nicht.“
„Ei, dummer Junge, wer ſpricht denn auch etwas der Art! Wenn du Böſes gethan hätteſt, würde dich der alte Herr ſchon gefuchtelt haben. Nein, ich glaube, er beabſichtigt etwas Gutes mit dir, wenigſtens machte er eine recht zufriedene Miene, als ich ihm ſagte, daß du ein leidlich guter Burſche wäreſt, dem man etwas anvertrauen könne.“
»„Das habt Ihr von mir geſagt, Chriſtoph? Das freut mich, und ich bedanke mich dafür!«
„Iſt nur in der Ordnung und die reine Wahrheit,« erwiederte der Oberknecht gutmüthig.„»Aber nun laufe hin, und bringe deiner Mutter die Kaninchen! Gute Nacht und morgen wieder bei Zeiten hier!“
Fritz warf ſeine Kaninchen wieder über die Schulter und trabte weiter. Das Dorf lag immer noch ein hal⸗ bes Stündchen von den Schuppen entfernt, und als er es erreichte, war die Sonne ſchon untergegangen, und die Dämmerung begann ihre Schleier uͤber die Erde zu breiten. Bei der ärmſten und niedrigſten Hütte im Dorfe angelangt, ſchlüpfte Fritz ſchnell durch die offen ſtehende Hausthür hinein, und fand ſeine Mutter in dem engen Stübchen, das zugleich als Wohn⸗ und Schlafzimmer, als Küche, Hausflur und Keller dienen mußte. Die Mutter war noch emſig mit Nähen be⸗ ſchäftigt, obgleich ſie kaum noch die Stiche ſehen konnte, die ſie machte.
„Guten Abend, Mutter!« rief ihr Fritz zu.„Lege jetzt dein Nähzeug auf die Seite, und koche uns eine gute Suppe! Ich habe furchtbaren Hunger!“.


