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„Was iſt denn mit dem Geheimerath Bernſtorf?« fragte Georg, der die leiſe geflüſterten Worte nur zum Theil verſtanden hatte.
„Nun, weiter nichts, entgegnete der alte Kammer⸗ diener,“ als daß er penſionirt iſt und die Weiſung empfangen hat, ſich einen anderen Wohnort im Lande zu ſuchen. Er iſt noch gut genug weggekommen, denn Seine Durchlaucht haben ihm aus Gnaden und in Be⸗ rückſichtigung früher geleiſteter Dienſte ſeinen ganzen Gehalt belaſſen.“
»Das freut mich,“ ſagte Georg.„Es würde mich geſchmerzt haben, wenn ich, obgleich ganz ohne alle Abſicht, dem Manne Kummer und Sorgen verurſacht hätte. Aber was für ein lieber Mann iſt doch unſer
herrlicher Fuürſt. Selbſt im Strafen auch immer ſo 18 gnädig und gerecht.“ 2 „Ja, das iſt er!“ ſprach der alte Kammerdiener aus
vollem Herzen.„Gott ſegne meinen gnädigſten Herrn!“ „Gott ſegne ihn,“ ſtimmten Georg und Frau Wil⸗ lig ein, und Thränen der Liebe und Verehrung fun⸗ kelten in Aller Augen. Mittlerweile verbreitete ſich die Neuigkeit von Georgs Erhebung ſchnell wie ein Lauffeuer durch die Stadt, und zahlreiche Beſuche kamen, welche dem traulichen Bei⸗ ſammenſein der Drei ein Ende machten. Die Freude war allgemein, und Jeder, der kam, ſprach ſie in herz⸗ lichſter Weiſe gegen Georg aus. Und Georg ſelbſt war wirklich ganz glücklich? 2 Ja gewiß, er war es, denn er hatte in Wahrheit das große Loos des Lebens— nicht gewonnen— ſondern erworben und errungen, durch treue Er⸗ 2 füllung ſeiner Pflicht, für welche er niemals weder


