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Das große Loos : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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22 »Ich halte dich nicht zurück,« antwortete Georg. »Thu', was du nicht laſſen kannſt.

Beneidenswerthe Ruhe und Gelaſſenheit, die du behaupteſt! ſagte Richard ärgerlich.Iſt es dir denn wirklich ſo vollkommen gleichgültig, ob ich glücklich oder unglücklich bin?«

Jetzt erhob Georg den Kopf, um ſeinem Freunde einen vorwurfsvollen Blick zuzuwerfen.

Du kannſt nicht im Ernſte ſo fragen,« ſagte er, denn du kennſt mein innerſtes Herz und weißt wohl, daß ich dir alles Glück wünſche und gönne, was dem Menſchen beſchieden ſein mag. Aber ich geſtehe dir aufrichtig, ich würde es weder für ein Glück halten, wenn du das große Loos gewänneſt, noch für ein Un⸗ glück, wenn auf deine Nummer eine Niete träfe. Ueber⸗ haupt kann ich den Dämon der Habgier, der dich ſo plötzlich ergriffen hat, unmöglich begreifen! Warum überhaupt verlangſt du nach Reichthum? Etwa nur, um dich einem Lebensgenuſſe hinzugeben, deſſen inner⸗ ſtes Weſen doch eigentlich leer und hohl iſt? Wenn dies der Fall wäre, ſo könnte ich es nur beklagen, falls ein größerer Gewinn auf deine Nummer fiele. Du würdeſt nur auf Abwege gelenkt werden, und die Kraft verlieren, einen ernſten würdigen Lebenszweck zu ver⸗ folgen, der doch die Aufgabe eines jeden vernünftigen Menſchen ſein muß.

»Keineswegs, Georg! Das verſtehſt du nicht!« er⸗ wiederte Richard lebhaft.Ich werde gewiß nicht nur dem Vergnügen leben, aber ich kann nicht läugnen, daß mir die Mittel zu einer heitern Zerſtreuung nach des Tages Mühe und Arbeit äußerſt willkommen ſein wuͤrden.