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Das große Loos : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Art wiſſen, und willſt du mir einen Gefallen thun, ſo ſchaffe mir das Loos ganz und gar aus den Augen!« Richard ſah wohl, daß er den Freund kränken würde,

wenn er nicht ſeinen Wunſch erfüllte, und ſo brachte

er denn das Loos auf die Seite. Aus den Augen war es nun, aber nicht aus dem Sinne. Wider Willen mußte Richard fortwährend an ſeine Nummer denken, und konnte der Phantaſte Bilder nicht los werden, die ihm fortwährend allerlei thörichte Sachen vorgaukelten. Noch am ſpäten Abend, als er bereits mit Georg zur Ruhe gegangen war, richtete er ſich noch einmal im Bette auf und rief in das andere Bett hinüber:Aber merkwürdig wär's doch, Georg, wenn das große Loos auf meine Nummer fiel!

»Unſinn, Richard, antwortete Georg ſchon halb im Schlafe.Laß mich zufrieden mit deinen Thorheiten!«

Richard ließ ihn zufrieden, aber er ſelber ſchlum⸗ merte mit dem Gedanken an das große Loos ein, und träumte ſo wunderliches Zeug in dieſer Nacht von Hau⸗ fen Goldes und zahlloſen Päckchen funkelnagelneuer Papier⸗Thaler, daß ihm am andern Morgen beim Er⸗

wachen noch ganz wirr und wüſt davon im Kopfe war.

Dennoch ſprang er froh und wohlgemuth aus dem Bette und rief luſtig Georg zu:

»Heute werden wir ſehen, alter Freund! Noch wenige Stunden, und das Schickſal hat entſchieden, ob wir, wie bis jetzt, am Boden kriechen müſſen, oder uns mit goldenen Adlerſchwingen hoch in die freien Lüfte erhe⸗ ben können.

Georg antwortete weiter nichts darauf, als:Du biſt ein Narr;« und ſetzte ſich dann wie gewöhnlich zu ſeinen Büchern.