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mit einem unterdrückten Seufzer hinzuſetzte,— und beide jungen Leute nahmen Bücher und Papier zur Hand, um ihre gewöhnlichen Morgen⸗Studien zu be⸗ ginnen.
Zwei bis drei Stunden herrſchte nun die tiefſte Stille, nur unterbrochen von dem Gekritzel der Federn und dem Auf⸗ und Zuklappen der Bücher, bis gegen zehn Uhr ſchwere Schritte die Treppe heraufkamen; immer höher und höher ſtiegen, und endlich von Außen an die Stubenthür gepocht wurde.
„Herein!“ ſchrie Richard.„Paß auf, Georg, es iſt der Briefbote mit Nachrichten vom braven Vetter aus Königsberg!“
Der Briefbote war es wirklich. Er brachte drei große Schreiben, zwei fuͤr Georg, und eins für Richard. Georg bezahlte das ſchwere Porto, und hurtig wurden ſodann die Briefe geöffnet. Nachdem Beide die em⸗
pfangenen Nachrichten geleſen hatten, blickten ſie einan⸗
der mit halb erfreuten, halb verlegenen und betrübten Geſichtern an.
„Da haben wir's,“ ſagte endlich Richard,—„ich bin zum Gerichts⸗Aktuarius ernannt.“
„Gratulire, alter Freund!“ rief Georg herzlich. Und wo?«.
„Das iſt eben der Haken, der mich zu keiner rech⸗ ten Freude kommen läßt, Georg! Am äußerſten Ende der Welt, in einem polniſchen Landſtädtchen, dicht an der ruſſiſchen Gränze! Das heißt ein Vergnügen!“
„Aber natürlich wirſt du die Stelle annehmen,“ ſagte Georg dringend.»Bedenke, es iſt nur ein Ueber⸗ gang! Nach zwei, drei Jahren vielleicht ſchon wirſt du in eine angenehmere Lage verſetzt, und dann iſt dein


