an jedem hellen Morgen immer wieder zuerſt in die Dachſtube zu ſchauen. Die kleinen blanken Fenſter lagen ihr nun einmal bequem dazu.
So auch an dieſem klaren Frühlingsmorgen.
Draußen wirbelte die muntere Lerche ſchon hoch in den Lüften, aber drinnen im Stübchen herrſchte noch die tiefſte Stille und die neugierige Sonne erblickte nichts darin, was ſie nicht ſchon immer geſehen hätte, nämlich ein ziemlich armſeliges Meublement, alte Stühle, alte Tiſche, mit einigen darauf umherliegenden Büchern, ein altes, mit gebluͤmtem Kattun überzogenes Sopha, einen alten Kleiderſchrank, und an den Wänden herum ein paar kleine alte Kupferſtiche in wurmſtichigen, brau⸗ nen Holzrahmen.
Das war ſo ziemlich Alles.
Aber die Stube, obgleich wie geſagt ziemlich ärm⸗ lich ausgeſtattet, zeigte doch zugleich eine gewiſſe Ord⸗ nung und Sauberkeit. Die Tiſche und Stühle waren blank geputzt, weder Kleidungsſtücke noch Wäſche lag liederlich umher, jedes Geräth hatte ſeinen feſt beſtimm⸗ ten Platz, Fußboden und Wände ließen keinen Schmutz⸗ flecken ſehen, und eine Kaffee⸗Maſchine, die nebſt zwei Taſſen ſeitwärts agf einem Tiſchchen ſtand, blitzte ſo ſpiegelhell, daß Frau Sonne ſich ganz bequem darin beſchauen konnte. Damit hielt ſie ſich aber keineswegs lange auf, ſondern von der geweißten Decke herab ließ ſie ihre Strahlen tiefer und tiefer zum Fußboden ab⸗ wärts gleiten, betrachtete ſich einen Augenblick die Bil⸗ der an den Wänden, ſchaute nach den Büchern, viel⸗ leicht um zu ſehen, ob ſie Tags vorher in gehöriger Weiſe gebraucht worden ſeien, und ſchickte dann plötz⸗ lich einen von ihren glänzendſten Strahlen durch eine
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