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Ein Königssohn : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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106 4 zu Herſtellung des armen Knaben habe. In der That war die Schwäche des Prinzen außerordentlich groß,

unnd ſelbſt der Umſtand, daß man ihm ein ſonniges,

heiteres Zimmer gab, vermochte die Fortſchritte ſeines

Uebels nicht aufzuhalten. Seine braven Aufſeher tru⸗

gen ihn häufig auf die Platform, aber die ſchwache

Verbeſſerung, welche das Einathmen der friſchen Luft

auf ſeine Geſundheit ausübte, wog kaum das Uebel

auf, das die Ermüdung ihm verurſachte. Auf der Zinne der Platform hatte der Regen im

Laufe der Jahrhunderte eine Art von kleinem Baſſin

ausgehöhlt. Das Waſſer hielt ſich mehrere Tage darin,

und weil es ſehr häufig während des Fruhlings von 4

1795 Gewitter gab, ſo fehlte es demſelben nie an Waſſer.

So oft der Prinz auf die Platform geführt wurde, 1

konnte er eine Anzahl Sperlinge bemerken, die jeden*

Tag zu dieſem Waſſerbehältniſſe kamen, um zu trinken

und ſich darin zu baden. Anfangs flogen ſie bei ſeiner

Annäherung davon, aber die Gewohnheit, ihn faſt täg⸗

lich zu ſehen, machte ſie endlich mit ihm vertraut, und

ſie luͤfteten ihre Flügel nur dann, wenn er ihnen ganz nahe kam. Es waren immer dieſelben; er kannte ſie, und vielleicht waren ſie wie er an dieſe alte Behauſung gewöhnt. Er nannte ſie ſeine Vögel. Wenn man die

Thüre der Terraſſe öffnete, ſo ſah er ſtets zuerſt nach

dieſer Seite hin, und immer waren die Sperlinge da.

Wenn der Prinz in ihrer Nähe vorüberging, flogen ſie

einen Augenblick wirbelnd und kreiſend in die Höhe, 4

aber ſobald er vorüber war, ließen ſie ſich auch wieder

nieder. Oft, auf den Arm ſeines Führers geſtützt und

mit dem Rücken gegen die Mauer gelehnt, betrachtete 4

er lange Zeit die Vögel, ohne eine Bewegung zu machen.