106 4 zu Herſtellung des armen Knaben habe. In der That war die Schwäche des Prinzen außerordentlich groß,
unnd ſelbſt der Umſtand, daß man ihm ein ſonniges,
heiteres Zimmer gab, vermochte die Fortſchritte ſeines
Uebels nicht aufzuhalten. Seine braven Aufſeher tru⸗
gen ihn häufig auf die Platform, aber die ſchwache
Verbeſſerung, welche das Einathmen der friſchen Luft
auf ſeine Geſundheit ausübte, wog kaum das Uebel
auf, das die Ermüdung ihm verurſachte. Auf der Zinne der Platform hatte der Regen im
Laufe der Jahrhunderte eine Art von kleinem Baſſin
ausgehöhlt. Das Waſſer hielt ſich mehrere Tage darin,
und weil es ſehr häufig während des Fruhlings von 4
1795 Gewitter gab, ſo fehlte es demſelben nie an Waſſer.
So oft der Prinz auf die Platform geführt wurde, 1
konnte er eine Anzahl Sperlinge bemerken, die jeden*†
Tag zu dieſem Waſſerbehältniſſe kamen, um zu trinken
und ſich darin zu baden. Anfangs flogen ſie bei ſeiner
Annäherung davon, aber die Gewohnheit, ihn faſt täg⸗
lich zu ſehen, machte ſie endlich mit ihm vertraut, und
ſie luͤfteten ihre Flügel nur dann, wenn er ihnen ganz nahe kam. Es waren immer dieſelben; er kannte ſie, und vielleicht waren ſie wie er an dieſe alte Behauſung gewöhnt. Er nannte ſie ſeine Vögel. Wenn man die
Thüre der Terraſſe öffnete, ſo ſah er ſtets zuerſt nach
dieſer Seite hin, und immer waren die Sperlinge da.
Wenn der Prinz in ihrer Nähe vorüberging, flogen ſie
einen Augenblick wirbelnd und kreiſend in die Höhe, 4
aber ſobald er vorüber war, ließen ſie ſich auch wieder
nieder. Oft, auf den Arm ſeines Führers geſtützt und
mit dem Rücken gegen die Mauer gelehnt, betrachtete 4
er lange Zeit die Vögel, ohne eine Bewegung zu machen.


