98
aus dem Schranke, und dankte Gott, daß er nichts davon veruntreut hatte. Hierauf ging er grades Wegs in die Wohnung ſeines Principals, händigte ihm die Summe ein und legte ihm ein offenes, rückhaltloſes Bekenntniß ſeiner begangenen Fehler und ſeiner Ver⸗ irrungen ab. Selbſt das verſchwieg er nicht, daß er im Begriff geſtanden hatte, eine Veruntreuung zu be⸗ gehen, und allein durch die Erinnerung an ſeinen alten Freund davon abgehalten worden ſei.
„Der Principal hörte ſeine Geſtändniſſe ruhig an, und richtete nur von Zeit zu Zeit einen ſcharfen, for⸗ ſchenden Blick auf Valentin. Als er Alles wußte, ging er ein paar Mal nachdenkend im Zimmer auf und ab, und blieb dann plötzlich vor Valentin ſtehen.
„Sie bereuen alſo aufrichtig und von Herzen Ihre Verirrungen, mein lieber Valentin?“ ſagte er.
„„Aufrichtig und von ganzem Herzen,“ erwiederte dieſer und wehrte der Thränen nicht, die uber ſeine Wangen floſſen. ‚Strafen Sie mich, Herr, ſo ſtreng Sie wollen, ich werde mich Allem unterwerfen ohne zu murren.“
„Der Principal reichte ihm freundlich die Hand. „Es iſt gut,“ ſagte er ſanft, ‚ich ſehe ſchon, daß Sie es ehrlich mit ſich und mit Gott meinen, und geſtraft ſind Sie wohl auch genug durch die bitteren Empfin⸗ dungen, welche Ihr Herz während dieſer Nacht erfüllt haben müſſen. Daß Sie der nahe liegenden Verſuchung widerſtanden, Hand an fremdes Eigenthum zu legen, ſoll mir für einen Beweis Ihres aufrichtigen Willens zur Beſſerung gelten. Verlaſſen Sie mich jetzt und gehen Sie ruhig in das Geſchäft, als ob nichts vorge⸗
fallen wäre. Für die Bezahlung des von Ihnen unter⸗
—
4


