94
„Valentin ächzte, es dunkelte ihm vor den Augen, ſein Gehirn ſchien in Flammen zu ſtehen, ſein Herz pochte zum Zerſpringen. Er ſchauderte zurück vor dem Verbrechen, das er begehen ſollte, und doch lockte zu⸗ gleich die Leidenſchaft des Spieles, der Klang des hin⸗ und her rollenden Goldes mit unwiderſtehlicher Gewalt. Er warf einen ſchwindelnden Blick auf den Spieltiſch, und ſah, daß die Bank eben anſehnliche Summen ver⸗ loren hatte und ausbezahlte. Dies entſchied. Die Bank war im Unglück, jetzt mußte er weiter ſpielen um den günſtigen Moment zu benützen.
„„Ich bin verloren, ſo wie ſo!“ ſagte er heiſer vor ſich hin. ‚Es gibt nur Eine Rettung, ich hole das Geld!“
„Fort ſtürzte er aus dem Saale, wie von Furien gejagt, und eilte nach ſeiner Wohnung. Das Haar flatterte wild und verwirrt um ſeine bleiche Stirn, die eiſig vom kalten Nachtwinde angewehet wurde. Er fühlte es nicht, ſondern rannte wie ein Wahnſinniger durch die Straßen, flog in Sprüngen die Treppe zu ſeiner Wohnung hinauf, öffnete mit zitternder Hand die Thür und ſtürzte in das Nebenzimmer, wo er das ihm anvertraute Geld in dem feſten Schranke verwahrt hatte. Das Schloß knirſchte unter ſeinem Schlüſſel, Riegel und Thuͤr ſprangen auf, ſeine Hand tappte nach den Säcken und Packeten..
„Da auf einmal tauchte wie ein Nebelbild eine matt ſchimmernde Geſtalt vor ihm auf, das Antlitz blaß, das Auge drohend auf den Verbrecher gerichtet, die Hände abwehrend gegen ihn ausgeſtreckt. „Barmherziger Gott, Daniel!“ ſchrie Valentin


