17
hoffen, daß man ſich längere Zeit hindurch des heiteren Sonnenſcheines und des klaren Himmels erfreuen könne.
Adelbert trieb unterwegs ohne Raſt und Ruhe vor⸗ wärts. Die großen Städte, welche man auf der Reiſe berührte, hatten nur geringe Anziehungskraft für ihn, und er würdigte ſie kaum der flüchtigen Aufmerkſam⸗ keit. Was konnten ſie ihm bieten, da er aus Ham⸗ burg kam, dieſer prächtigen Stadt, mit der ſich, ſeiner Anſicht nach, keine andere meſſen konnte? Sein Sinn ſtand nach den Bergen und Thälern des Harzes, nach rieſelnden Quellen und rauſchenden Waldgipfeln, und als er zum erſten Male in der Ferne die blauen, duf⸗ tigen Linien des Brockengebirges gewahrte, da ſchrie er laut auf vor Entzücken, ſtreckte ſehnſüchtig die Arme darnach aus, und wünſchte ſich Vogelſchwingen, um gleich mitten in alle noch verhuͤllte Herrlichkeit hinein⸗ ſtürzen zu können.
Wie ward ihm aber erſt, als er nun in der thauigen Friſche des nächſten Morgens zum erſten Male in ſei⸗ nem Leben eines der lieblichſten Thäler im Harze, das Selkethal, betrat, und nun in Wahrheit mit trunkenen Blicken Alles erſchaute, was ihm bis dahin nur in unbeſtimmten Nebelbildern, in ſchattenhaften, geſtaltloſen Umriſſen vor der Seele geſchwebt hatte! Hier rauſchte der Bach und hüpfte plätſchernd, gleich flüſſigem Kri⸗ ſtalle, über die bunten runden Kieſel in ſeinem Bette; rechts und links, hoch empor ragten die Berge, von dichter Waldung bedeckt, deren herrliches Grün in der ganzen Friſche des Frühlings prangte; die Wieſen mit ihren Millionen Blumenaugen hauchten köſtlichen Wohl⸗ geruch; blitzende Thauperlen hingen an den Halmen und Blättern, und ſtrahlten gleich funkelnden Diaman⸗
Ein Jeder nach ſeiner Weiſe. 2


