Druckschrift 
Jeder in seiner Weise : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

frauen und von Prinzeſſin Ilſe, von dem wilden Jäger Hakelberg und der Tuturſel, die ſeinem geſpenſtigen Jagdzuge vorausfliegt, wenn er mit Peitſchenknall und Halloh über die Wälder daherſaust! Die da tief drin im Walde wohnen wiſſen ſicherlich zehnmal mehr ſolche Geſchichten, als in den Büchern ſtehen, und wie ſchön müſſen ſie ſich anhören ſo mitten in der Wildniß und in den Bergen drin, wo ſich Alles begeben hat, und wo vielleicht gerade ein neugieriger Kobold hinter dem nächſten Buſche verſteckt ſitzt, und auch zuhorcht, und kichert vor Freude über ſo manchen Schabernack, den er oder ſeine Brüder den kurzſichtigen Menſchenkindern geſpielt. Ja, das müßte herrlich ſein! Und wer weiß, wenn's der Vater nur zugibt, ſo thu' ich's und werde ein Köhler, und lebe dann froh und glücklich in der ſchönſten Waldeinſamkeit!

Indeß, Adebert ſchien doch ſein Bedenken zu haben, ſchon jetzt von ſeinen Plänen und Abſichten zu reden. Er verrieth kein Sterbenswörtchen davon, erwartete aber mit lebhafter Sehnſucht ſeinen Geburtstag, welcher alle ſeine ſtill gehegten, heimlichen Wünſche zur Er⸗ füllung bringen ſollte.

Endlich kam dieſer Tag; der zehnte Juni lachte mit hellem, ſonnigem Antlitze die blumenduftige Erde an, und Adelbert ſtand, ganz ſtrahlend vor Wonne, vor dem großen bekränzten Tiſche, auf welchem die liebende Sorgfalt der zärtlichen Aeltern eine Menge ſchöner Gaben ausgebreitet hatte. Adelbert war ſehr entzückt über Alles, am meiſten aber freute er ſich über einen vollſtändigen zierlichen und doch bequemen Anzug mit allerlei Sachen, welche bei einer Reiſe vortheilhaft zu gebrauchen ſind, als ein Wanderſtab, eine Taſche,