Druckschrift 
Jeder in seiner Weise : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

gefallen, wenn der Vater ihn nicht noch mit kräftigem Arme gehalten hätte. Ziemlich verdutzt ſchaute Adelbert drein, während er in ängſtlicher Beſtuͤrzung mit beiden Händen an den Vater ſich anklammerte. Die Worte erſtarben ihm im Munde, und erſt nach einem Weilchen gewann er wieder ſeine Faſſung.

»Oho! ſagte er,das kam überraſchend. So hab' ich's mir freilich nicht gedacht! Aber es thut nichts! Jetzt ſoll mir's nicht wieder ſo kommen, jetzt bin ich vorbereitet und ſtehe feſt, wie angewurzelt!«

»Deſto beſſer! entgegnete der Vater⸗Ich bin nur neugierlg, wie zähe die Wurzeln ſein werden!«

Zähe, wie Eichenwurzeln!« prahlte Adelbert, indem er ſich an das Tauwerk des Maſtes klammerte.Nicht Sturm noch Wogen bringen mich jetzt von dieſer Stelle fort!«

Der Vater zuckte leiſe die Achſeln, als ob er bei ſich dächte:Nun, wir werden ja ſehen!« und das Gewitter kam indeſſen auf den Fluͤgeln des Windes raſch näher und näher. Jene erſten Wellen, welche Adelbert zum Taumeln gebracht hatten, waren nur die erſten Vorboten deſſelben geweſen, und jetzt brach es plötzlich mit Sturmesbrauſen, mit Regengüſſen, mit zuckenden Blitzen und rollenden Donner herein. Adel⸗ bert, obgleich von Sprühwellen und Regen überſchüt⸗ tet, hielt muthig Stand, die Blitze und Donnerſchläge erſchreckten ihn nicht, und ſelbſt das heftige Schwanken und Stampfen des Schiffes ſchien ihn wenig zu belä⸗ ſtigen, da er ſich mit beiden Händen an's Tauwerk des Maſtes anklammerte. Er jauchzte und jubelte laut

im Sturm, Woge und ſtürmenden Regenguß hinein, ſein langes lockiges Haar flatterte luſtig im Winde,

81