Erſtes Kapitel.
Das Haus und wer darin wohnte.
Vor kaum zehn Jahren, da ſtand das Haus noch, wie ich mit meinen eigenen Augen geſehen habe. Und zwar ſtand es keine zweihundert Schritt weit von einem der lebhafteſten Plätze Berlin's in einer engen, kleinen, ſchmalen, aber himmelhohen Seitengaſſe, die Einem viel 1 höher vorkam, als andere Straßen, weil die Dächer an einzelnen Stellen ſo nahe an einander ſtießen, daß kaum ein Fußbreit Raum und Himmel zwiſchen ihnen zu ſehen war. Engen Straßen aber mit hohen Häuſern geht es wie engen Gebirgsthälern mit hohen Felswänden: ſelten nur, und zwar immer ganz allein am hohen Mittage läßt die liebe Sonne freundlich einen Strahl ihres gol⸗ denen Lichtes hineinfallen, und darum iſt es denn auch jederzeit kalt, feucht und ſchmutzig in ſolchen Gaſſen, eine widrige, dumpfe Luft herrſcht darin, das Straßen⸗ pflaſter iſt ſchlüpfrig, und die Bewohner der Häuſer
haben faſt immer ein bleiches, kränkliches Ausſehen. Es geht ihnen, wie den Blumen, die man im Keller
In demſelben Hauſe. 6 1


