81
und nachdenklich ſtimmte. Abends erklärte er ſich darüber gegen Felix. 8
„Ein alter Freund, der in preußiſch Polen wohnt,“ ſagte er zu Felix,„bittet mich um ein Darlehen von zwanzigtauſend Thalern, da ſich ihm eine vortheilhafte Gelegenheit zum Ankaufe eines ſchönen Herrſchafts⸗ gutes für ſeinen Sohn bietet. Ich würde meinem alten Freunde, dem Baron Walbeck mit Freuden eine doppelte Geldſumme geben, aber ich weiß nicht, wie ich ſie ihm zuſtellen ſoll. Einem gewöhnlichen Boten mag ich ein immerhin bedeutendes Kapital nicht anvertrauen, und ich ſelber bin zu alt und zu ſchwach, die zwanzig deutſche Meilen weite Reiſe zu unterneh⸗ men. So kommt es, daß ich mich in nicht geringer Verlegenheit und Sorge befinde, denn Baron Walbeck ſchreibt, daß die Sache Eile hat.“ 3
„Mein gnädigſter Herr,“ nahm Felix mit glänzen⸗ den Augen das Wort,—„könnte ich nicht Ihr Bote ſein? Auf meine Treue dürfen Sie bauen.“
„Ich baue darauf, wie auf Felſen,“ ſagte der Fürſt erfreut;—„nur wollte ich dir nicht zumuthen, in jetziger, vorgerückter Jahreszeit die weite Reiſe zu unternehmen.“
„Oh, ich bin von früher her gegen alle Unbilden der Witterung abgehärtet,“ verſetzte Felix.„Beſtim⸗ men Sie nur, wie und wann ich abreiſen ſoll. Jeder Augenblick findet mich bereit.“
„Nun denn, ſo wollen wir die Reiſe ⸗Legitimation ausfertigen laſſen, was füglich im Laufe des. morgigen Tages geſchehen kann. Uebermorgen früh magſt du dann in Gottes Namen die Reiſe antreten, und dir
6
Graf und Bärenführer.


