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Das treue Blut : Eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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arme Mann ſein Bett wieder verlaſſen, und mit äußer⸗ ſter Anſtrengung, unterſtützt von den Armen ſeiner Frau und ſeines Sohnes, die wenigen Schritte aus der Stube bis vor die Hausthür zurücklegen, um wieder einmal die friſche freie Luft zu athmen.

Vater Bluntſchli war dem Leben erhalten worden, aber leider, ſeine frühere Rüſtigkeit, Gewandheit und Kunſtgeſchicklichkeit hatte er für immer eingebüßt. Nicht mehr, wie ſonſt, konnte er ſein Feld bearbeiten, nicht mehr, wie ſonſt, als kühner Gemſenjäger über Felſen und Gletſcher ſteigen, nicht mehr, wie ſonſt, aus hartem Holze kunſtreiche Figuren und Bilder ſchnitzen. Die zerſchmetterten Glieder waren für das ganze Leben völ⸗ lig gelähmt und verſagten den Dienſt. Vater Bluntſchli war ein armer hülfloſer Krüppel geworden!

In das kleine Haus, wo bis zu dem traurigen und folgenſchweren Unglücksfalle Zufriedenheit und Glück ihre freundliche Stätte gehabt hatten, zogen jetzt Kum⸗ mer und düſtere Sorge für die Zukunft ein. Armuth und bittere Noth verdrängten nach und nach den bis⸗

herigen beſcheidenen Wohlſtand, und finſteren Blickes,

mit gerunzelter Stirn, mit gebeugtem Haupte, und trau⸗ riger Ahnungen voll zitterte Vater Bluntſchli den kom⸗ menden Tagen entgegen. Was ſollte aus ihm und ſei⸗ ner Familie werden, da keine Hand mehr da war, das tägliche Brod zu verdienen? Die Weberei der Mutter brachte nur wenig ein, die kleine Marianne war noch viel zu ſchwach zum Arbeiten, und Jakob hatte auch noch nicht die Jahre erreicht, wo er den Seinigen eine ausreichende Stütze hätte ſein können. Deshalb konnte es nicht fehlen, daß es in der Hütte Vater Bluntſchli's nichts als traurige und ſchwermüthige Geſichter gab, Das treue Blut. 2 4