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Ein Bibelblatt : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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über Alles, und waren ſich überhaupt ſo gleich in Ge⸗ müth und Denkungsart, daß ſie wie die beſten Freunde mit einander lebten, und ſelbſt den Unterſchied von Rang und Stand kaum beachteten. Major und Wachtmeiſter gingen zuſammen auf die Jagd, beaufſichtigten gemein⸗ ſchaftlich die Arbeiter auf dem Felde, tranken aus einem Becher, aßen aus einer Schüſſel, und des Wachtmeiſters Befehlen und Anordnungen wurde eben ſo pünktlich Folge geleiſtet, als denen des Majors. So lebten ſte friedlich und gemüthlich auf dem Schloſſe, als plötzlich die Gemahlin des Majors erkrankte und bald darauf ſtarb. Dieſer Verluſt traf denſelben hart, denn er hatte ſeine gute und ſanfte Frau über Alles geliebt, und ver⸗ zehrte ſich nun in Kummer und Gram. Selbſt der brave Wachtmeiſter vermochte ihn nicht zu tröſten und aufzurichten, und eben ſo wenig der kleine Hans, ſein einziger Sohn, der mit kindlichem Geplauder die ſchwer⸗ müthige und gefurchte Stirn des geliebten Vaters zu glätten verſuchte. Der Major blieb traurig und gebeugt, und Jahre waren bereits verſtrichen, ohne daß eine Aenderung in ſeinem betrübten Zuſtande eingetreten wäre. Der Gram hing wie eine finſtere Wolke über dem Schloſſe, das früͤher eine Stätte der Freude und glück⸗ lichſten Zufriedenheit geweſen war.

Dieß hatte nun mancherlei ſchlimme Folgen, zunächſt für den kleinen Hans, der ſo ſehr der Aufſicht bedurfte, und um den ſich doch Niemand genügend bekümmerte, ſo daß er ziemlich wild und verwahrlost aufwuchs. Den groͤßten Theil des Tages trieb er ſich im Dorfe mit den Bauernbuben umher, beſuchte zwar die Schule, lernte aber wenig, weil der Schullehrer ihn nicht ſo ſtreng zu halten wagte, wie die Kinder der Bauern im Dorfe,