96
und zum Himmel erhobenen Augen daſaß. Karl und Andreas ruderten mit Macht, als ob ſie nicht mehr ſehen wollten, was einſt ihnen gehört hatte. Kaum aber waren ſie eine Strecke vom Lande entfernt, ſo verſchwand der Nebel, der Himmel hellte ſich auf, der Mond leuchtete glänzender, und der See ebnete ſich, wie ein Spiegel.
„»Der Herr richtet den Wind ein nach dem geſcho⸗ renen Lamm,“ ſagte die Mutter.—
Als ſie die Mitte des Sees erreicht hatten, hielten ſie ein wenig inne, um eine karge Mahlzeit einzuneh⸗ men. Sie wurde ſtill verzehrt, bis endlich Iſabelle ſagte:„Ich möchte wohl wiſſen, was in dieſem Augen⸗ blicke der Intendant macht, und ob er in ſeinem Ge⸗ wiſſen ſo ruhig ſein kann, wie wir es ſind.“ „Welche Frage!“ antwortete die Mutter.„Weißt du nicht, daß der Böſe nie ruhig iſt? Wohl raubt uns der Intendant den Schlaf für dieſe Nacht, aber glaube nur, daß auch er keinen ruhigen Schlummer finden wird. Schlimme Gedanken ſtören den Seelen⸗
frieden!“
„Das iſt wohl wahr,“ fiel Andreas ein.„Ich habe es heute Abend an mir ſelber erfahren.“—
„Ach, mein Kind, welcher ſchlechte Gedanke beun⸗ ruhigt dich?“ fragte die Mutter.
„Ich dachte, wenn Karl damals den Intendanten im See gelaſſen hätte, würden wir uns heute nicht hier befinden!«.
„Und möchteſt du Karls gute Handlung ungeſchehen machen?« „Oh nein, Mutter, nicht um Alles in der Welt!


