An der See. 197
nächſten Tagen iſt er verſchwunden, und der Sommer iſt mit ihm davon.
6 Der September iſt freilich hier, wie überall in Deutſch⸗ 2 land immer der ſchönſte und, auch in den Küſtenſtrichen 4 5 ſicherſte Monat des Jahres. Der Himmel iſt faſt immer
blau, die Luft iſt wunderbar rein, die Sonne glänzt und wärmt Tag für Tag, und wenn der Wind weht, ſo iſt es kein ſcharfer und wilder. Aber Sommer iſt's doch nicht mehr. Die Sonne hat nicht mehr die volle Kraft, ſie ſcheucht uns nicht mehr in den Schatten; am Abend wie am Mor⸗ gen liegt alles in zartem Duft, ja zuweilen breitet ſich ſchon
8 der Nebel aus; das Feld glitzert von den Sommerfäden, 4 und von den Zweigen der Bäume und Geſträuche wehen 4. ſie, oder ziehen leiſe durch die kaum bewegte Luft; auf den 1 abgeernteten Feldern beginnen die Pflüger von neuem ihre
Arbeit, in den Dorfgärten blühen die Aſtern aus, und auf den Wieſen zeigt ſich die Zeitloſe, und das Kraut wird welk und das Laub färbt ſich bunt und bunter.
Schön iſt es draußen freilich, voll wunderbarer Rein⸗ heit und Klarheit, voll wonnevoller Milde, voll zauberhaften
4 Friedens, aber es zieht ſich durch alles etwas wie eine leiſe, leiſe Schwermuth— es iſt die letzte Stunde vor dem Abſchied.
1 Es iſt wiederum das gleiche Bild vor uns wie damals,
als wir uns zuerſt in dieſer Gegend umſchauten, und wir können es ſchier noch beſſer überblicken, da die Felder, wie geſagt, jetzt abgeerntet ſind und jeder Bodeneinſchnitt deutlich
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