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Treue siegt : eine Geschichte von der See / von Edmund Hoefer
Entstehung
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192 Neuntes Kapitel.

Aehnliches ſchien, natürlich den Verhältniſſen angemeſſen, der Stiefvater verſucht zu haben. Der Knabe und Jüngling hatte, wie wir wiederholen müſſen, leiblich und geiſtig einer Freiheit genoſſen, die, nach menſchlichen Begriffen, faſt unver⸗ meidlich zur Zügelloſigkeit werden mußte. Er war, man hätte glauben mögen abſichtlich, Gefahren ausgeſetzt worden, die, wiederum nach jeder vernünftigen Vorausſetzung, faſt ebenſo nothwendig einmal zu ſeinem, ſei es leiblichen, ſei es ſittlichen oder geiſtigen Ruin führen mußten. Und wenn das Eine wie das Andere nicht geſchah und Detlef, obſchon nicht ſelten an dem Rande des Abgrunds, dennoch niemals in denſelben hineintaumelte, ſondern ſich ſtets wieder aufraffte, ſo mußte man das wohl als ein Zeugniß für die innere Tüchtigkeit und Geſundheit ſeiner Natur gelten laſſen, wel⸗ ches durch alle ſeine unleugbaren Ausſchreitungen nicht ent⸗ kräftet werden konnte. Nur Eines wurde erreicht: der Mutter wurde der Sohn faſt vollſtändig entfremdet und in ihren Augen zu einem Verlorenen geſtempelt, deſſen Enterbung ſelbſtverſtändlich war. Der Theil des Publikums, welcher nur nach dem äußeren Anſchein zu urtheilen pflegt, ſtimmte damit überein, und das gleiche Vorurtheil herrſchte natürlich in des Magiſters eigenem Kreiſe, das heißt, bei dem da⸗ maligen Director und einigen Räthen des Gerichts. Nur ſo ließ ſich die ganz außerordentliche Oberflächlichkeit hier und Strenge da erklären, unter der Detlef bei den beiden, gegen ihn geführten Unterſuchungen zu leiden gehabt hatte. Wie der Magiſter operirt und wie wenig Vorſicht er