Ein plötzlicher Umſchlag.- 177
Die Haltung Siemann's blieb unverändert; er ſaß auf⸗ gerichtet, den Kopf erhoben. Von der Stirne war der Schweiß fort, das Auge zeigte wieder Leben und Aufmerk⸗ ſamkeit, ja, durch die Miene glitt bei des Rathes Worten etwas wie ein leiſes, gutmüthig ſpöttiſches Lächeln.„Da muß ich denn am Ende ſelber der Brandſtifter geweſen ſein, oder, ohne mein Wiſſen, einen geſpenſtigen Doppelgänger haben!“ ſprach er im launigen Tone.„Einen ſchwarzen Rock beſitzt in meiner Gemeinde außer mir Niemand als der Küſter, und daß der— nämlich der Küſter Lebrecht, nebſt ſeinem Habit, unſchuldig an dieſer That iſt— das kann ich vor Gott und Menſchen beſchwören. Alſo ich, mein Herr Rath?“ Das Lächeln zog von neuem leiſe vorüber.
„Auch uns ſcheint leider nur dieſe Annahme übrig zu bleiben, mein Herr Magiſter,“ ſagte der Rath in unverän⸗ dertem Tone.
Siemann zuckte zuſammen, wie vom Schlage getroffen, allein ſeine Bewegung ſchien weniger eine erſchrockene, als ernſtlich zürnende zu ſein. Er erhob ſich mit einem Ausdruck von finſterer Würde, wie wir denſelben noch nicht an ihm zu beobachten hatten, und in dem entſprechenden Tone ſprach er:„Ein Mann meines Alters und meiner Stellung muß es denn ſchon wagen, mein Herr Nath, Ihnen bemerklich zu machen, daß ein ſolcher Scherz, wofür allein ich Ihre Worte—“
„Ich bitte den Herrn Magiſter um Verzeihung,“ unter⸗ Edmund Hoefer, Treue ſiegt.


