28 Zweites Kapitel.
keine Zeit übrig hat. Und er hatte nur einſilbige Antworten auf ihre Fragen, und ſein Geſicht erheiterte ſich nicht.
Das mußte ihr wohl auffallen.„Was gibt's mit dir?“ fragte ſie.„Du biſt ja ganz kurios, Caspar.“
„Was wird's geben?“ ſagte er ſo hin, leerte noch ein⸗ mal das Glas und brach ſich ein neues Stück Brod ab. „Da hab' ich mir wirklich ein paar Tage frei gemacht und freue mich auf die Alten— ˙s iſt Jahr und Tag, daß ich ſie nicht geſehen. Und da fall' ich hier juſt in den Jammer hinein und ſehe das Elend. Da vergeht Einem die Luſtig⸗ keit. Und nun“— er bot ihr die Hand—„großen Dank, Chriſtine, und grüße den Mann; hab' ihn draußen nicht geſehen. Ich muß weiter. Denn am Dienſtag früh muß ich wieder in G. ſein.“
„Nun denn, adjes, Caspar,“ ſprach ſie, ihn hinausbe⸗ gleitend.„Grüße die Alten und Frau und Kind. Aber,“ fügte ſie, das Geſicht zum Lachen verziehend, hinzu,„haſt du den Weg vergeſſen? Links geht's nach Kalitz!“
„Laß nur!“ verſetzte er mit einem Anklang des früheren Gleichmuths.„Ich gehe durch den Wald kommoder und auch nicht länger.“ Und damit wanderte er rüſtig weiter, allerdings nicht der Straße nach, welche ſich von hier ver⸗ hältnißmäßig offen und gerade bis zum Ausgang des Dorfes fortſetzte, ſondern um das gegenüberliegende Haus und ſeinen Garten herum, wo ſich nahe vor ihm die alte Kirche in ihrem ſchattigen Friedhofe erhob und nicht weit hinter derſelben die dunkeln Waldmaſſen ſich hinzogen.


