Teil eines Werkes 
2. Th. (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2⁵³

Aufklärung bringen, die ich im Winter zurückhalten mußte— es gilt die Ehre des Hauſes Aare, die—“

„Unmöglich, mein Herr!“ unterbrach ſie ihn noch ſtolzer, noch kälter.„Ueber ſeine Ehre wacht das Haus Aare ſelbſt und allein, und ich habe noch nie gehört, daß es ein nachläfſiger und ſchlechter Wächter geweſen.“

„Genug, mein Fräulein,“ entgegnete er mit un⸗ verändertem ruhigem Ernſt.„Verzeihen Sie mir dieſen Beſuch, den ich nur durch die warme Theilnahme zu rechtfertigen vermag, welche mir meine Großeltern für Ihre Familie von Jugend auf eingeflößt und welche die Freundſchaft für Ihren Herrn Bruder noch vermehrte. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß ich dereinſt nicht mehr verkannt ſein werde. Leben Sie wohl, mein Fräulein.“

Und mit ernſtem, höflichem Gruß wandte er ſich und verließ das Gemach.

Nach einem Augenblick ſenkte Hildegard das ſtolz erhobene Haupt, ſie ſchloß die Augen und ſtand regungs⸗ los. Aber das währte nur einen Moment, dann ſah ſie auf, ſtrich mit der Hand langſam über die bleiche, aber ruhige Stirn, trat zum nächſten Fenſter und ſchaute, den Kopf in die Hand ſtützend, ſchweigend hinaus in die von der Sonne fröhlich überſtrahlten Waldberge.

So traf ſie Hippolyt, der Vernay hinabbegleitend, eben noch Hugo Platen in ſeinen Wagen ſteigen und