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bekannt, daß es auf Landsburg nur eine Herrin gibt und keinen Herrn, und daß mein Vater gar nicht beabſichtigen kann, mich in dieſer Stellung zu Etwas zu zwingen oder zu beſchränken. Denn das kann Niemand!“ ſchloß ſie; „auf Landsburg bin ich Herrin, und hier gilt nur Hein Wille.“.
Sie wandte ſich ab und nahm von einer Kommode einen Stickrahmen, mit dem ſie zum Tiſch zurückkehrte und ſich auf's Kanapee niederließ.
Ob Sophie ihre Uebereilung eingeſehen oder ſich wirklich durch den entſchiedenen Ton des Mädchens be⸗ herrſcht fühlte— ſie hatte die Sprecherin nicht unterbro⸗ chen. Jetzt aber lachte ſie kurz und höhniſch auf und ſagte: „In der That, das iſt neu! Es wird Zeit, daß Euer Vater mir zu Hilfe kommt, denn das Burgfräulein wäre im Stande, mich widerſpenſtige Perſon juſtiſiciren oder in ein Verließ werfen zu laſſen!“
Elſe ſah ruhig von ihrer Arbeit auf.„Ich bitt' Euch, laßt dieſes Geſpräch enden,“ verſetzte ſie.„Ihr wollt mich mißverſtehen, Ihr ſucht Streit— um Etwas, was ſich gar nicht beſtreiten läßt. Denn was in der Welt einmal ſeit ewigen Zeiten gilt, kann weder mein Vater, noch ich, noch ſonſt wer ändern.“
Die Wilke ergriff den Leuchter; ein böſer Blick ſtreifte aus ihren finſtern Augen über das Fräulein hin.
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