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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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234 Nun laßt uns ſingen das Abendlied.

ſinnung und Einſicht gekommen, hatte ſich mit dem Weſen der Nichte zwar nicht ausgeſöhnt, aber daſſelbe doch dulden gelernt, und meinte noch heut, wenn ſie mit dem zum Kammerherrn avancirten Aldenhofen allein war, das Mädchen habe mehr Glück als Verſtand und ſei eines ſolchen ‚Sorts' kaum würdig. Zugleich aber leugnete ſie nicht, daß ſie das Mädchen ſehr lieb habe. Es ſtecke doch der Adel ihres Geſchlechts in ihr das habe ſie recht deutlich in jenen Tagen erkannt, die das Treiben des Verräthers nur ſo nannte ſie Bühel enthüllt. Damals habe Eva viel Feinheit, und nachher eine höchſt achtungswerthe Con⸗ tenance bewieſen. Die Fürſtin und eigentlich auch alle Uebrigen wußten dem Liebling noch vieles Andere nachzurühmen und trugen 4 das Mädchen im liebevollſten und treuſten Herzen. Der Felix pflegte ihr weißes Pferdchen und ließ keine fremde Hand an daſſelbe heran und meinte kopfſchüttelnd:ja die Pferdebeine wußte keiner ſo ſchrecklich zu ſtrapaziren wie ſie, und mit ſo einem alten Menſchen wußte ſie Teufelszeug anzugeben, daß er niemals Ruh' hatte. Aber ein beſſer Menſchenkind hat der Herrgott nie erſchaffen, und lieb haben mußte man ſie, da half kein Gott und kein Teufel! Waldinger vergaß niemals das Leuchten ihres Blicks, das helle Aufjubeln ihres Herzens ſo hieß er's mit dem ſie am Tage nach der Fluchtnacht ſeine Botſchaft auf⸗ genommen, daß Raben und Hubert unbeläſtigt bis zur