—
—
Nun laßt uns ſingen das Abendlied. 231
deſſen vorderſtes Paar, ein Herr und eine Dame, in Ra⸗ bens Begleitung ſchnell die Treppe zu den Gemächern der Prinzeſſin hinaufſtieg und dort nach kurzer Meldung eintrat, während das Gefolge ſich unter den Arkaden ausruhte. Das war der junge Herzog geweſen, der gleich nach ſeiner Thron⸗ beſteigung mit ſeiner Gemahlin einen Beſuch bei der alten ſchwer geprüften und ſchwer mißhandelten Verwandten machte, um ſie für die Unbarmherzigkeit ſeiner Vorfahren um Ver⸗ zeihung zu bitten und ſie zurückzuführen an den Hof und in die Stellung, die ihr gebührte.
„Laſſen Sie die Herzogin und mich gut machen, was man an Ihnen geſündigt, meine theure Couſine,“ hatte er mit warmer Herzlichkeit geſagt, und die ſchöne junge Frau hatte die Alte innig umfaßt und gebeten: elaſſen Sie uns gut machen!“
Aber die Prinzeſſin hatte mit mildem Lächeln den Koyf geſchüttelt und jede Veränderung ihres Wohnſitzes abge⸗ lehnt.
„Gut gemacht habt ihr ſchon,“ antwortete ſie bewegt und drückte dem Herzog die Hand und berührte die Stirn ſeiner Gemahlin mit ihren Lippen.„Ich danke euch dafür, denn ihr nahmt mit euren Worten und Bitten den letzten
alten böſen Druck von mir— ich kann hinfür an euch und
unſer Haus wieder denken ohne Zürnen, ohne Haß. Aber mit euch zurückkehren in die Welt, oder gar an den Hof— das kann ich nicht. Denkt daran, Kinder, ich bin nun bald


