Teil eines Werkes 
4. Bd. (1869)
Entstehung
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Sünde überwunden, die ſie in ſich ſelbſt, in ihrem Her⸗ zen zu finden wähnte, das iſt, daß dies Herz, einem Andern verpflichtet, in ſeinem tiefſten Grunde doch nicht ihm, ſondern dem zu eigen war und blieb, den es bei ſeinem erſten Erwachen in ſich geſchloſſen hatte. Sie iſt von dem erſtern nun ſchon lange ſelbſt im ſtreng⸗ ſten Sinne frei, und es hindert ſie nichts, dem tiefſten Fühlen ihres Herzens nachzugeben. Allein wie innig und treu daſſelbe auch ſein mag und wie tief ſie ſich Bilingsfelden zu eigen fühlt, zu einer äußern Verän⸗ derung ihrer Stellung zu ihm führte es bisher nicht. In der Welt, von der aus man denn doch zuwei⸗ len auf die Einſiedlerin blickt, welche zugleich die reichſte Frau des Landes iſt, und ſelbſt in ihrer näch⸗ ſten Umgebung erwartete man dieſe Veränderung mit Beſtimmtheit, als man vor einigen Jahren den Tod der Prinzeſſin Conſtanze vernahm und damit das letzte Hinderniß ſchwinden ſah, das es ſelbſt in Charlottens Augen geben konnte. Allein man hatte ſich getäuſcht. Als Bilingsfelden in dieſer Zeit einmal, wie oft, nachmittags von Neideck nach Othmaringen herüber⸗ kam und nach einem langen Geſpräch mit Charlotten abends erſichtlich ernſt und nachdenklich zurückritt, ſagte die Gräfin zur Frau von Soldnau und Henrietten in ihrer ruhig freundlichen Weiſe:Er hat mich um meine