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des Leben. Die Welt mit ihrem Glanz und ihrer Pracht iſt verſunken und verloren, und nur unſer eigenes ſtilles Daheim, nur wir ſelbſt ſind uns geblie⸗ ben. Mögen wir eines ſolchen Segens würdig bleiben!“
Da kam durch die tiefe Stille daher, vom Thal herauf ein fernes, leiſes Rollen, das ſich allmälig ver⸗ ſtärkte und immer näher klang, bis es, wo die Wagen auf der ſteilen Straße langſam fahren mußten, noch einmal faſt ganz verſchwand. Und da wurden die Köpfe der Pferde ſichtbar und dann der Wagen, der die letzte kurze Strecke nun raſch durchflog und vor dem Portikus hielt. Und im nächſten Augenblick— wie das Alles ſo kam, darauf achtete Niemand— lag Charlotte vor des Vaters Füßen und ruhte aufgeriſſen an ſeiner Bruſt, in ſeinen zitternden Armen.
„Vater“, ſtammelte ſie,„Vater, vergeſſen hab' ich Dich und Othmaringen nicht, aber man hat Dich mir und mich Dir geſtohlen und ich bin Eurer nicht mehr werth.“
Und da verſetzte der Alte, indem ſeine Arme ſie umfaßten, als ſollten ſie nie mehr das Kind von ſei⸗ nem Herzen laſſen, ſeine Stimme bebte, aber ſeine Stirn war voll Drohens:„Verzeih' Du mir, Charlotte, mein Kind, und bitte Gott mit mir, daß er mir ver⸗
zeiht! Ich war der größte Sünder an Deinem Herzen. 16*


