Teil eines Werkes 
4. Bd. (1869)
Entstehung
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aufraffen konnte. Ja, ſelbſt an ſeinem Aeußern hatte ſich dieſer Wechſel während der vergangenen raſtloſen Mo⸗ nate vollzogen. Sein Haar freilich konnte nicht wieder dunkel werden, wie vordem, aber aus ſeinen Augen und ſeinen Zügen verloren ſich die Spuren des gegen Alles gleichgültigen oder Alles mißachtenden Hinlebens und es traten an ihre Stelle diejenigen, welche uns das Bewußtſein des eigenen Werths, des Zwecks und Ziels anzeigen, welche der Menſch in ſeinem Daſein findet und verfolgt.

In dieſer Beziehung war die ſchwere Sorge, mit der Henriette Bilingsfelden's Ankunft und den Zweck ſeines Erſcheinens vernommen und ihm zuerſt begegnet war, gleich anfangs erleichtert und nach und nach völlig von ihr genommen, lund auch die andere, faſt noch ſchwerere begann zu weichen, wie Charlotte ſeine Gegenwart und Begleitung ertragen werde. Sie ſah, wie wir anführten, die Freundin nicht feig oder ſchwach zurückweichen vor dem Manne, dem ihr tiefſtes Weſen von jeher zu eigen geweſen, ohne doch jemals ihm zu eigen ſein zu wollen und zu dürfen, ſie ſah ſie viel⸗ mehr an ihm, an ſeiner Würde und Ehre, ſeiner Klar⸗ heit und Ruhe ſich ermannen und aufrichten. Und dieſe Beobachtung machte ſie nun auch auf der Reiſe von Tag zu Tag zufriedener und vertrauensvoller für