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„Sterben?“ fragte Hildegard dumpf.„So meinſt Du, ſie—“
„Ich rechne ſelbſt heute nicht mehr auf ihr Leben, ſo vorgeſchritten erſchien mir ihr Leiden!— Aber Sie fragten auch, ob allein, beſter Graf“ fuhr ſie fort und erhob ihr Auge mit einer Art von mißbilligendem Blick zu Felix.„Ja, es überraſchte mich nicht wenig, ſie nicht allein, ſondern jene Henriette—“
Der Graf fuhr leichenblaß empor.„Henriette— bei ihr? Es iſt nicht möglich!“ ſtammelte er.
„Möglich? Leider nur zu gewiß, beſter Graf! Sie ſehen, Ihre Nachrichten waren doch nicht ſicher—“
„Henriette— frei— bei ihr!“ Er preßte die Hände in einander. Der Schweiß ſtand auf ſeiner Stirn in hellen Tropfen.„Laß packen, Hildegard— das Nöthigſte! Wir müſſen noch heute reiſen!— O dieſe Canaille von Louis!— Es iſt Alles verloren!“
Da erhob ſich die Stiftsdame aus ihrem Stuhl und ſtand vor ihm. Es war wieder einmal das Ge⸗ ſicht voll Intelligenz, voll Energie, nur daß ſich dazu jetzt auch eine unverhehlte Verachtung geſellte. Und mit Achſelzucken ſprach ſie:„Seien Sie nicht kindiſch, Herr Graf! Es iſt für Sie vielleicht ſchlimm, daß Sie ſich in die Hände der Perſon und eines Dieners ge⸗ geben haben, wie es ſcheint, aber mich geht das nichts
Hoefer, In der Welt verloren. IV. 15


