217 Die Thränen ſtürzten aus ſeinen Augen, und er preßte wie vergehend beide Hände vor die Stirn.
So ſtand er, bis Bilingsfelden in tiefer Erſchütte⸗ rung herantrat und die Hände ergriff und herabzog. „Verzagen Sie nicht, mein alter Freund“, ſagte der Herr, und ſeine Stimme klang mild und auch in ſei⸗ nem Geſicht erſchien ein Zug der herzlichſten Theil⸗ nahme.„Ich hoffe zu Gott, daß es auch für das arme Kind noch nicht zu ſpät iſt. Wir werden ſie wiederfinden, wir werden ſie retten. Aber ſäumen dürfen wir allerdings nicht. Wenn ich nur erſt den
Burſchen, den Dagobert, faſſen kann!“
„Nein, ſäumen nicht, keinen Augenblick ſäumen!“ verſetzte der Pfarrer, noch immer heftig erregt.„Ich darf gar nicht denken an dieſe Wochen, die ſchon unge⸗ nutzt vergingen. Es iſt, um den Verſtand zu verlieren! Und vor allen Dingen“, fügte er finſter aufblickend hinzu,„müſſen wir ſorgen, daß man hier, dort oben keine Stunde länger in dieſer furchtbaren Verblendung bleibt und ſich durch die Lüge beſtricken läßt.“
Bilingsfelden ſah ihn ein paar Sekunden lang düſter ſinnend an.„Ich weiß nicht, alter Freund, ob ich Ihnen darin zuſtimmen darf“, entgegnete er dann. „Ich ſagte ſchon vorhin, wie der alte Herr nun ein⸗ mal iſt und von mir denkt—“


