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Sie wandte ſich von neuem mit jenem frühern verächtlichen Laut auf dem Abſatz um und trat gegen den Tiſch zurück.
„Nun, nimm's nicht übel— ich dränge mich nicht in Deine Angelegenheiten. Vor allem aber wollen wir dies dumme Hinundhergezänk aufgeben“, ſprach er kalt⸗ blütig.„Eins von meinen Geſchäften kann ich Dir jedoch nennen. Ich ſollte mich auf meiner Reiſe und bei meinem hieſigen Aufenthalt nach einem gewiſſen trotzigen und thörichten Flüchtling umſehen, deſſen Spuren uns ſeit ſeiner Entfernung von S. vollends verloren gingen und um den es doch mehr als einem ernſtlich zu thun iſt.“
„Geſchwätz!“ ſagte ſie, nach einem raſchen, feſten Blick ſich von neuem abwendend.
„Kein Geſchwätz, Verehrteſte, ſondern die volle, ſchöne Wahrheit!“
„Zu welchem Ende?“ fragte ſie hart und ſcharf, in ſtolzer Haltung.„Ich denke, Ihr wißt's alle, was ich von Euch halte und daß ich fertig mit Euch bin.“
„Aber, liebſte Hildegard, wir nicht fertig mit Dir! Was meinſt Du, wenn ich Dir nun den herzlichen und innigen Wunſch nach Deiner Rückkehr ins Haus der alten traurigen Aeltern, das Verſprechen völligen Ver⸗
gebens und Vergeſſens, einer glänzenden Aufnahme brächte?“


