218 „Meine beſte Hildegard, verzeih', die Bande der
5 Natur laſſen ſich nicht verleugnen! Du mußt wirklich
leidend ſein, wie Friedrich klagte! Was ſind das für ſeltſame, erſchreckende Phantaſien! Es ſcheint mir doch völlig erklärlich zu ſein, daß ich allmälig zu einer an⸗ dern Stellung vorrücke und ſtatt des kleinen Dienſtes und ſeiner Geſchäfte andere übernehme, welche, wenn auch an und für ſich bedeutender, doch nicht jeden Tag gleich drängend ſind und obendrein zuweilen auch aus der Umgebung Seiner Hoheit in die Ferne führen. Ich kann Dir das nicht ſo genau auseinanderſetzen, Du wirſt mir auch ohnehin glauben—“
„Und ſolche, ſoll ich glauben, hätten Dich auch hierher geführt?“ fragte ſie verachtungsvoll dazwiſchen.
„Im Vertrauen, ja, Liebe— höchſt ehrenvoll, wenn ich auch am liebſten nur meiner Geſundheit gelebt hätte. Man bleibt eben ein Sklave der Ehre und des Dienſtes!“
„Vortrefflich! Und darf man, ohne indiseret zu ſein, nach den hieſigen Geſchäften ſich erkundigen?“ fragte ſie hohnvoll. Sie ſtand vor ihm, die Arme über die Bruſt gekreuzt, und das blaue Auge ſcharf und doch kalt auf ihn niederblickend— ein Geſicht, deſſen ur⸗ ſprünglich vielleicht hübſche, aber ſicherlich unbedeutende Züge von der Leidenſchaft, welche dieſe Frau einmal


