Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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blütig,aber ganz richtig iſt es nicht. Ich hab's ja immer geſagt, Hildegard

Nenne meinen Namen nicht er iſt zu gut für Dich! rief ſie noch heftiger.

Er ſah ſie kopfſchüttelnd von oben bis unten an und darauf gegen die Thür zurück und im Zimmer umher. Nau, ſagte er dann,jetzt, dächte ich, könnteſt Du die Empfangsfreude überwunden haben und ein wenig vernünftiger werden. Was Du für Hausgenoſſen haſt, außer dem alten Dummkopf, weiß ich nicht ſund kann alſo auch nicht beurtheilen, ob es ihnen etwa Vergnügen macht, ein bischen vor der Thür zu horchen. Da Deine Stimme aber durchaus nicht an einen leidenden Geſundheitszuſtand erinnert, den Friedrich mich zu ſchonen bat, und obendrein ein Fenſter offen iſt, ſo iſt das Horchen gar nicht nöthig. Das Haus iſt klein, der Hof ganz nahe, und in dieſem Hauſe ſteht oder ſitzt zum min⸗ deſten ein Menſch mit ausgezeichneten Ohren und außer⸗ ordentlicher Theilnahme für Dich und mich.

Noch immer der fade Schwätzer! ſprach ſſie ver⸗ achtungsvoll; aber ſie war doch ruhiger geworden und hatte das Körnlein Wahrheit in ſeinen Worten nicht ganz überhört. Sie ging auch hin und ſchloß das Fenſter. Und als ſie dann zurückkam, blieb ſie vor ihm ſtehen, maß ihn finſtern Blicks und ſagte kurz und