Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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von ſeinem Eintritt hatte ſie augenſcheinlich ebenſo wenig etwas vernommen wie von der vorausgegange⸗ nen, keineswegs leiſe geführten Unterhandlung am Hof⸗ thor ihres Hauſes.

Herr von Othmaringen ſtand eine ganze Weile und muſterte nicht nur das Zimmer bis in die einzelnen Stücke der Einrichtung, ſondern auch die Geſtalt der Schreibenden in ihrer leichten und bequemen, lichten Haustoilette, welche hier nichts Trauerhaftes zeigte, wie es ſchien, mit einer Aufmerkſamkeit, der nicht das Geringſte entging. Zuletzt blieb ſein Auge an dem dunklen Haar haften, das in ungewöhnlichem Reich⸗ thum mit Flechten und Löckchen den Kopf umgab und auf den entblößten, vollen Nacken herabſank, und der Blick war wieder einer von denen, welche man von ſeinem Auge eigentlich gar kein Recht zu erwarten hatte, ſcharf und voll Spott oder vielmehr Hohn.

Endlich ſchien er mit ſeiner Muſterung fertig zu ſein oder wurde ihm die Zeit lang. Er ſchob die Por⸗ tiere weiter zurück, und das leichte, durch das Ver⸗ ſchieben der haltenden Ringe entſtehende Geräuſch ließ die Schreibende zuerſt eine ungeduldige Bewegung machen und dann das Geſicht mit dem Ausdruck des Mißver⸗ gnügens über die Schulter dem Störer zuwenden. In der nächſten Sekunde zuckte es wie ein jäher Schrecken