12
„Daran zweifle auch ich nicht“, erwiderte ſie mit einem faſt finſtern Ernſt,„und ich werde ſie auch mit Entſchiedenheit verlangen, allein, mein Freund, nicht blos meinet⸗, ſondern auch unſertwegen. Denn ich täuſche mich nicht, hier brütet ſicher etwas gegen Sie, gegen
uns, denn“— ſie bot ihm mit aufflammender Innig⸗
keit plötzlich die Hand—„wie man uns auch zu trennen ſucht, Friedrich, in meinem Gefühl ſind wir auch äußer⸗ lich eins! Sie ſagen“, fuhr ſie, das Auge feſt auf das ſeine richtend, fort,„daß mein Bruder die Othmaringen protegirt. Mir iſt, als hätte ich nicht nur gehört, ſon⸗ dern auch ſelbſt neuerdings bemerkt, daß die Othma⸗ ringen Sie protegiren, Friedrich? Iſt das zufällig oder gleichgültig, Friedrich? Glauben Sie an den Ernſt?“
Durch das edle Geſicht Bilingsfelden's glitt ein nicht lautes, aber herzliches Lächeln.„Ja, es iſt wahr“, ſagte er dann,„Ihre Excellenz, die Frau Miniſterin, macht mir gewiſſe eigenthümliche Avancen; Freiin Hildegard erweiſt mir eine ſanfte Theilnahme, und jener Burſche— ſo etwa wie Dagobert heißt er— den Seine Hoheit zum Adjutanten verlangt hat, ſoll ja ſogar um meinetwillen ein Duell beſtanden haben! Den Damen kann ich freilich nur leidende Dankbarkeit an⸗ bieten“, fügte er achſelzuckend hinzu,„in dieſem letztern Fall aber, von dem ich erſt heute erfuhr, werde ich
— 1


