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Zur linken Hand : eine Erzählung / von Edmund Hoefer
Entstehung
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auch in ihrem Innern herrſchten ſollten wir daran

zweifeln? Das alte traurige Lied hat Niemand

wieder von ihr vernommen. Und als die Commerzien⸗ räthin, die auch ein künſtleriſches Intereſſe an dem wunderlichen Stück nahm, ſie einmal um den Text und die Muſik bat, ſchlug ſie es voll ruhiger, aber

feſter Entſchiedenheit ab. Es ſolle vergeſſen bleiben,

ſagte ſie.

Der Prinz iſt ein paar Jahre ſpäter geſtorben. Er hinterließ trotz ſeiner vielen, unleugbar guten Ei⸗ genſchaften den Ruf eines unklaren und unglücklichen Menſchen, der ſelten wußte, was er wollte, und noch ſeltener zur rechten Ausführung des für gut und richtig Erkannten durchdrang. Zur Herrſchaft gelangte er nicht; er reſignirte nach dem Tode des alten Fürſten unaufgefordert zu Gunſten des Nachbarhofs. Was ſeine letzten ungeſtümen Schritte, Marie wieder mit ſich zu

vereinigen, hervorgerufen hatte, wurde nicht bekannt.

Man darf bei ſolchen Köpfen freilich nie oder doch nur ſehr ſelten nach wirklichen und ernſten Gründen forſchen. In ihnen regiert der Einfall und die Laune.

Ende.

Druck von Richard Schmidt in Reudnitz⸗Leipzig.