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Und die Vergangenheit ging noch einmal vor ihr auf, aber es war eine andere, als in die ſie vorhin geſchaut. Jetzt lächelte aus all den Schatten ein Engels⸗ köpfchen ſanft und innig und ſelig hervor, und der ſtille grüne Grund breitete ſich vor ihr aus, und das einſame kleine Grab am murmelnden Bach— Faſtra⸗ da’s Ring! Faſtrada's Ring!
In der tiefen Nacht zogen die jubelnden und kla⸗ genden, ſcherzenden und verzweifelnden Klänge des alten Liedes durch das offene Fenſter des Hinterzim⸗ mers in die dunkle Stille hinaus, und Mariens Stimme ſang die Worte bis zu den letzten:
Die Liebe fleht und ringt. Im Herzen tief, im müden,
Schlägt raſtlos banger Schmerz— die Liebe fleht und ringt.
Umſonſt, umſonſt geliebt! Geſchieden iſt geſchieden!
Geh hin und laß mich gehn.— Der letzte Ton verklingt!
In einem Fenſter des benachbarten Gaſthofs „Domhotel“, dem einzigen Platz vielleicht, von dem aus man über die maſſive Scheidemauer einen Blick in den Hof und auf die Rückwand der Cantorei ge⸗ winnen konnte, lehnte zu dieſer Stunde ein einſamer Mann und horchte auf das Lied, ohne daß die Sänge⸗ rin die Nähe des Lauſchers ahnte. Er vernahm die wunderliche Muſik, er hörte die trauervollen Worte, und nun verſtand er's, was ihn ſchon vordem, wenn


