Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

wichtige Realität zu ſein, die mindeſtens einen Grafen Herzfeld aufwiegt,“ ſagte er langſam und deutlich und mit einem feſten, kalten Blick auf Hildegard.

Sie begegnete ſeinem Auge mit dem Ausdruck eines unverhehlten Schrecks, der ſich erſt nach und nach zu einem verächtlichen, finſteren Lächeln umwandelte.„Wie be⸗ liebt?“ fragte ſie endlich, nach einer langen Pauſe.

Da verdüſterte ſich auch ſein Aug' und ſeine Stirn zum erſtenmal zu einem finſteren, zürnenden Stolz und er verſetzte gedämpft, aber ſo hart und entſchieden, daß es die Dame bei dieſen Tönen unwillkürlich fröſtelnd über⸗ rieſelte—:„wenn ich, der große Baron, rede, horcht das Land. Ich hoffe, meine Tochter wird nicht weniger auf⸗ merkſam ſein.— Du haſt gehört, was ich geſagt habe. Nuprecht Anton, der Sohn von Hans Anton Ruprecht, Deinem Bruder, und der Marie, Tochter des Förſters Haining, iſt von mir mit Zuſtimmung meines Bruders zum Erben meiner Güter berufen und als ſolcher von der zuſtändigen Behörde durch dieſe Dokumente anerkannt.“ Er legte die Hand ſchwer auf die Papiere, welche ſich auf dem Schreibtiſch, neben dem er ſtand, ausgebreitet zeigten. „So hab' ich's gewollt, ſo hab' ich's ausgeführt,“ ſetzte er hinzu.„Und ich meine, wenn der alte ſtrenge Herr auf dem Throne und ich, der große Baron, in der Verbindung meines Sohnes mit der Tochter eines ehrbaren bürgerli⸗ chen Geſchlechts keinen Makel für meinen Stammbaum

. 13*¾