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Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
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258 Alt⸗Ruhnecks Ende.

denn er weiß es wohl, daß niemand ein ſolches zu ertragen im Stande iſt. So ging denn auch durch Eckhards und Reginens Leben ein zwar leiſer, dennoch aber niemals über⸗ wundener Schmerz. Sie mußten ihr Lebenlang einander allein genug ſein und waren es auch mit dem ganzen Her⸗ zen, aber manche Jahre hindurch konnten ſie nur mit Weh⸗ muth die ſchönen Kinder Ulrichs und Beatrix' oder Antoi⸗ nettens anblicken, da ſie ſelber niemals ein eigen Kind an ihrem Herzen wiegen durften.

Antoinette hatte einige Zeit nach den geſchilderten Vorgängen gleichfalls einen wackeren Gatten gefunden und war neben ihm und durch ihn eine ſehr liebenswürdige Frau geworden, die niemals ihre Heiterkeit verlor und ſtets mit den Familien Eckhards und Ulrichs im freundlichſten Verkehr blieb. Den Grafen Eberhard ſah ſie ſo wenig wieder wie die Uebrigen. Er ſtarb in noch jungen Jahren und unvermählt, und die weiten Beſitzungen und der große Reichthum der Hohenengen fielen insgeſammt an Ulrich, der ſie bei ſeiner ſtarken Familie, und obgleich der älteſte ſeiner Söhne Namen und Beſitz der Ruhnecker erbte, wohl ge⸗ brauchen konnte.

Das Schloß auf der einſamen Höhe zerfällt, der Name: Alt von Ruhneck iſt nach und nach abgekommen, das Geſchlecht heißt ſich jetzt einfach Grafen von Ruhneck, aber es hat bisher Beſtand und Dauer gehabt, wie nur jemals. zu einer früheren Zeit, und wenn nicht alle Zeichen trügen, werden ſie auch im Thal Jahrhunderte lang leben und