10 Alt⸗Ruhneck.
überall aus dem Geſtein brechen, das ſich durch die ewige Feuchtigkeit mit Flechten und Mooſen bedeckt hat, ſo daß das Thal ſeinen Namen mit Recht führt.—„Die Mulde“ auf der linken Seite entſpricht gleichfalls dieſer Bezeichnung. Es iſt ein mäßig breites, grünes Thal, und die ſchließenden Höhen drüben ſteigen ſanft hinan, mit friſchen, üppigen Matten, die erſt in ziemlicher Höhe dem Walde Platz machen. Hier fließt der Fluß, den der Wirth vorhin den„Bach“ benannte, und an ſeinem Ufer liegen weiterhin einige dunkle alte Gebäude, die einzigen, die man erblickt. Von dem Städtchen iſt nichts zu ſehen. Und was man auch von den Bewohnern ſolcher alten Schlöſſer denken und ſagen mag, Anſprüche machten ſie nicht, weder auf eine lebhafte, noch auf eine freundliche Umgebung. Denn einſamer und me⸗ lancholiſcher als die beiden, Alt⸗Ruhneck begrenzenden Thäler kann nicht wohl eine Gegend gedacht werden.
Wir gehn leiſe— es hallt ſo wunderbar— durch das zweite, winkelvolle Thor und finden uns wieder getäuſcht, da wir auch hier noch nicht vor dem eigentlichen Schloſſe ſtehn. Es iſt ein freier Platz, der die ganze Breite der kleinen Hochebene einnimmt und vordem wahrſcheinlich zu Waffenübungen und Kampfſpielen benützt wurde. Er wird durch einen zweiten, mächtigen Graben und dahinter durch gewaltige Mauern begrenzt. Hier führt noch die alte Brücke, aber kaum paſſirbar, zum dritten Thor, welches diesmal nur eine einfache Wölbung in der dicken Mauer iſt. Doch wird der enge Gang durch ein paar nicht große, ſichtbar aber ſehr maſſive Gebäude verlängert, welche ſich


