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Die Alten von Ruhneck : eine Erzählung aus älterer Zeit / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Alt⸗Ruhneck.

welcher zu der Höhe emporführte. Die Burg oder das Schloß, wie man's heißen will, war daher auch eine ſo⸗ genanntejungfräuliche Feſtung und niemals einem Feinde unterlegen.

Nach einer Weile ſtoßt ihr in der That auf die Reſte eines kleinen Befeſtigungswerks das Getrümmer, welches ihr von unten erblicken konntet. Die Pforte im Gemäuer öffnet euer Schlüſſel, und wieder geht es bergan auf dem mählig anſteigenden Wege. Rechts und links ſcheint der Berg allerdings auch dem gewandteſten Kletterer große Schwierigkeiten bereiten zu müſſen, ſo rauh, ſo zerriſſen, ſo ſchroff ſteigt das Geſtein empor und tritt hie und da zwi⸗ ſchen den Bäumen in ungeheuren Brocken, Wänden und Zacken zu Tage. Dann gelangt ihr zu einem zweiten Werk, und nachdem ihr die Höhe endlich erreicht, zum dritten, ei⸗ nem wirklichen und regelrechten, noch wohl erhaltenen Ra⸗ velin. Darauf dehnt ſich vor euch ein kleiner freier Platz aus, ein tiefer, in den lebendigen Fels gehauener Graben ſchneidet von hüben nach drüben durch das ganze Plateau, und wenn ihr die Nothbrücke paſſirtet, die jetzt den Ueber⸗ gang bildet, ſteht ihr vor, oder vielmehr ſchon in den erſten Theilen der Burg. Aus einer hohen und maſſiven, den Graben deckenden Mauer ragen zwei Thürme wohlerhalten empor, zwiſchen ihnen öffnet ſich das Thor, wie der Ein⸗ gang einer Höhle, und ſein Gang zieht ſich in mehreren ſcharfen Winkeln unter einer langen Wölbung hin, bis er endlich auf einem kleinen, von hohen Mauern begrenzten drüben durch einen dritten Thurm geſchloſſenen Hofe mün⸗