Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

197

aber dieſer kannte ihn nicht und der Herr mit dem ſteifen Arme war daher auf die Unterhaltung des Arztes ange⸗ wieſen, unter deſſen Aufſicht die Bewohner dieſes Ortes ſtanden.

Wir müſſen das Letzte wagen, hatte eines Tages der Arzt zu Froſt geſagt,der Erfolg mag ſein, welcher er wolle, die ſchlimmſte Folge kann ja ohnehin nur die ſein, daß der Arme bleibt was er iſt, ein Verlorner.

So wandelte der Verlorne auch eines Tags durch den Garten, und eben rief er triumphirend:Laßt ſie nur kommen! Da klopfte ihm eine Hand leiſe auf die Achſel und als er ſich umwandte, ſtand ſie wirklich vor ihm. Er bebte am ganzen Körper, von ſeiner Stirn floß kalter Schweiß, die wirkliche, nicht mehr hinwegzuleugnende Ge⸗ genwart der Angerufenen ließ ihn den eingebildeten Ta⸗ lisman, das Beil an der goldenen Kette und die ſchützenden Mauern, vergeſſen. In dieſem Augenblicke, wo ſie ihm die Hand entgegenſtreckte, um ihn, wie er glaubte, mit ſich zu nehmen, erwachten alte, in Schlummer gewiegte Kräfte in ihm. Er öffnete den Mund zum Sprechen und in ſeinen Augen, die feſt auf einen Punkt in der Luft gerichtet wa⸗ ren, drückte ſich ein haſtiges Suchen, ein ängſtliches Her⸗ beiziehen aus. Jetzt hatte er gefunden, was er ſuchte: die letzten Worte Othellos: