Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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ihre Wohnung. Ein Mädchen öffnete mir die verſchloſſene Vorſaalthüre und blickte mich befremdet an. 3 „Fräulein Braag nimmt keine Beſuche an.“ „Uebergeben Sie Fräulein Braag dieſes Billet,“ ant⸗ wortete ich zögernd der Dienerin, ihr den Brief einhän⸗ digend, der Laura's Einladung enthielt,„und ſagen Sie dem Fräulein, daß ſich ihr der Empfänger dieſer Zeilen höflichſt empfehlen laſſe.“ Ich nahm die Entfernung des Mädchens wahr, um vor einem Spiegel noch in aller Geſchwindigkeit mein Haar zu ordnen. Das begonnene Werk blieb aber unvol⸗ lendet, denn ſchon öffnete ſich die Thür wieder und vor mir ſtand Fräulein Braag mit dem Billet in der Hand. Mein Herz ſchlug hörhar, das Blut ſchoß mir in's Geſicht, ich war in dieſem Augenblicke über nichts Herr, als über meinen Hut, den ich in der. Hand ſchwenkte, und über eine armſelige Verbeugung, aus der ich mich kaum wieder her⸗ auswagte. Fräulein Braag war mir an Gewandheit un⸗ endlich überlegen, aber ſo graciös und natürlich zugleich die Art und Weiſe war, mit der ſie mich empfing und mir die Thür in das Wohngemach öffnete— es flog doch eine leiſe Purpurröthe über ihr himmelſchönes Antlitz— und dieſe Beobachtung gab mir einigermaßen mein Selbſtver⸗ traun und meine Unbefangenheit wieder zurück. In dem traulichſten Zimmer von der Welt, unter

1859. VII. Der beſeelte Schatten. II.