Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

182

ſie ſc=hlug mit den Händen in die Falten ihres ſeidenen Kleides und rief mit einer raſchen Neigung des Kopfes: Und das hat ſoviel zu bedeuten, wie das ungedul⸗

dige Stampfen eines Roſſes. Wer weiß! wer weiß! entgegnete Mahlmann, mit dem Finger drohend,ſingſt Du etwa auch ſchon:

Niemals weicht Dein holdes Bild mir aus meinem Sinn,

Hoch zieht's über meinem Himmel wie ein Stern dahin. Sehnſucht iſt ein jeder Blick, den ich zu Dir ſende

Und Du ſtrahlſt auf meinen Pfad Wehmuth bis ans Ende.

Wer ſingt ſo? fragte Laura.

Eigentlich darf ich es nicht ſagen, antwortete Mahlmann,aber Dir will ich's anvertrauen, in Deinem reinen Herzen iſt das heiligſte Geheimniß gut aufgehoben. Ich habe dieſes Gedicht zufällig bei Froſt gefunden.

In einem Nu hatte ſich Laura von Mahlmann weg⸗ gewandt. Er ſah, wie die herabfallenden ſchwarzen Haar⸗ flechten ſich bewegten, er ſah das ſchöne Haupt zittern und doch ſtand Laura bewegungslos.

Du weinſt, Laura?

Sie antwortete lange nicht, ging nach dem Fenſter zurück und ſtützte die Stirn auf die weiße Hand.

Wer weiß, ſagte ſie endlich mit thränenerſtickter