139 Grafen durch die Vorſaalthür. Karl klopfte an die Thür des Wohnzimmers. Da keine Antwort erfolgte, ſo klopfte er zum zweiten und dritten Male.
Es war ein ſchlechter Troſt für den Agenten, daß es dem Grafen ganz ſo erging, wie es ihm ergangen war, aber es war doch ein Troſt, und ſeine beſtürzten Mienen heiterten ſich für einen Augenblick auf.
Karl öffnete leiſe die Thür und trat in das Zimmer. Hinter ihm trat auch Degenhaar hinein.
Auf einer Fußbank, die Ellbogen in den Schooß und den Kopf in beide Hände geſtützt, ſaß Adeline. Ihr üppiges Haar hing in wilder Verwirrung um ihre Schultern und auf den Boden herab. Sie hatte ein Nachtkleid an, einen Shawl umgeſchlungen und die nackten Füße in zwei ungleichen Pantoffeln. Ohne die Eintreten⸗ den zu beachten oder zu bemerken, blickte ſie vor ſich hin auf den Fußboden.
Karl redete ſie an, aber ſie antwortete nicht und ſah nicht auf. Als er ſich nach dem Agenten umwandte, preßte dieſer die Lippen auf einander, zuckte die Achſeln und ſtreckte die Hand gegen die Majorin aus, als wollte er ſagen:„So hab' auch ich ſie bereits gefunden, ſo iſt es und ſo bleibt es!“
Karl beugte ſich zur Majorin nieder, nahm ihr die
Hände vom Antlitz und zwang ſie, ihn anzuſehen. Sie


